Krotzenburger Könige beeindrucken die Kanzlerin
Jannis, Denise, Samuel und Rachel als Bistums-Vertreter in Berlin
Berlin / Klein-Krotzenburg - Die Bundeskanzlerin hat sich Jannis Ritter „viel strenger“ vorgestellt. „Die war ja ganz locker.“ Mit einem „Hallo“ und einem Lächeln habe sie jeden einzelnen Sternsinger per Handschlag begrüßt. „Da haben wir natürlich auch hallo gesagt“, erzählt der zehnjährige Klein-Krotzenburger von seinem Besuch in der Regierungszentrale. „Denn eigentlich hätten wir Grüß Gott sagen sollen.“ So jedenfalls waren Jannis, Denise Fischer, Rachel und Samuel Schwab aus Klein-Krotzenburg auf ihre Begegnung mit Angela Merkel vorbereitet worden. Handelte es sich doch um eine protokollarisch hochrangige Aufgabe, die sie zu erfüllen hatten. Die Krotzenburger durften die Diözese Mainz beim Empfang der Kanzlerin für die Sternsinger vertreten.
Gemeinsam mit Königs-Delegationen aus allen 27 Bistümern zogen die Mädchen und Jungen ins Kanzleramt ein - bewacht und begleitet wie die Großen der Welt. Der Bundesgrenzschutz bracht die Kinder in Bussen von ihrer Jugendherberge ins Regierungsviertel. „Vor dem Einzug waren wir schon nervös“, erzählt Marcus Krebser, Organisator des Krotzenburger Sternsingens und Berlin-Begleiter. Doch auch die Kanzlerin zeigte Nerven. „Ich bin ein bisschen aufgeregt“, gestand Merkel offen ein. Staatsoberhäupter wie Jacques Chirac und einflussreiche Politikerinnen wie US-Außenamtschefin Condoleezza Rice hat die sie in ihren ersten Wochen bereits empfangen, ein Monarch aber war noch nicht dabei.
Und dann gleich 108 Könige und Königinnen, die in prächtige Gewänder gehüllt Farbe in den oft grauen Regierungsalltag brachten. Stellvertretend für 500. 000 Mädchen und Jungen, die alljährlich um den 6. Januar in ihren Gemeinden von Haus zu Haus ziehen, von der Geburt Christi singen und Geld für Kinder in Not sammeln. Auch der Kanzlerin stimmten die Könige ihre Lieder an und berichteten über die diesjährige Sternsingeraktion unter dem Motto „Kinder schaffen was“. Zentrales Thema ist dabei die immer noch weit verbreitete ausbeuterische Kinderarbeit am Beispiel Perus . Allein in dem lateinamerikanischen Land müssen zwei Millionen Mädchen und Jungen unter teils unmenschlichen Bedingungen zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen.
Merkel zeigte sich vom Engagement der Königskinder beeindruckt. „Ihr seid eine ganz wichtige Stimme für die Rechte von Kindern weltweit“, lobte die Kanzlerin. Erwachsene müssten immer wieder daran erinnert werden, die Kinder nicht zu vergessen. Die Regierungschefin versprach, sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kindern einzusetzen. Damit das nicht vergessen geht und die Regierungsgeschäfte unter einem guten Stern stehen, markierten die Könige im Kanzleramt ihre Mission mit Kreide. Der Segensspruch „20 + C + M + B + 06“, der für „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) steht, ziert jetzt auch das Kanzleramt.
Dem offiziellen Empfang, den zahlreiche TV-Teams und Fotografen dokumentierten, schloss sich ein Spaghetti-Essen an, das Merkel zu Ehren der Könige im Kanzleramt gab. Zu Beginn des Tages hatten sich die Sternsinger mit einem gemeinsamen Gottesdienst mit Monsignore Winfried Pilz, Präsident des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“, auf ihre Mission eingestimmt. Am Vorabend schon konnten die Kinder aus den 27 Bistümern einander in einer Jugendherberge begegnen und Erfahrungen austauschen.
Zum Berlin-Programm der Krotzenburger Delegation gehörten neben der Visite im Kanzleramt auch ein Zirkus-Besuch und eine Tour durchs Mauermuseum. Kaum zurück in Klein-Krotzenburg, bereiten sich Jannis, Denise, Rachel und Samuel gemeinsam mit mehr als 50 Mädchen und Jungen schon auf das anstehende Sternsingen vor. Am Samstag, 7. Januar, werden die Kinder in Krotzenburg unterwegs sein, um Spenden für Kinderhilfsprojekte zu sammeln. Das Ergebnis der Aktion wird dann vermutlich auch per SMS nach Trier gemeldet. Denn mit zwei Königinnen des Bistums haben Rachel und Denise während ihrer Berlin-Tour schnell Freundschaft geschlossen.
Tobias Schwab
