Hunderte begleiten Neupriester Winter in seine Kirche

St. Nikolaus feiert Primiz / Gratulanten stehen Schlange

Klein-Krotzenburg  Es war die größte und feierlichste Prozession, die Klein-Krotzenburg seit Jahrzehnten gesehen hat. Etwa 700 Menschen geleiteten Neupriester Thomas Winter am Sonntag  zur St. Nikolaus-Kirche. Seinen Anfang nahm der Zug am Elternhaus, wo die die Gemeinde und zahlreiche Gäste aus dem Bistum Kaplan Winter mit warmem Applaus begrüßten.  Im Garten segnete der Krotzenburger Pfarrer Matthias Becker zunächst das Primiz-Gewand mit dem aufgestickten Leitspruch „Mein Herr und mein Gott“, das die Heimatgemeinde St. Nikolaus dem Neupriester zum Geschenk machte.

Den Zug zur Kirche führten etwa 60 Krotzenburger Ministrantinnen und Ministranten an, zahlreiche Priester, darunter auch die aus Klein-Krotzenburg stammenden Pfarrer Richard Kopp und Prälat Ernst Kalb, begleiteten  Thomas Winter auf dem Weg zur Kirche. In die Prozession zu Klängen der Musikgesellschaft Eintracht  reihten sich auch Fahnenabordnungen zahlreicher örtlicher Vereine und kirchlicher Verbände ein. Einen kurzen Halt machte der Zug am Friedhof. Kaplan Thomas Winter und Pfarrer Becker  beteten  am Priestergrab, in dem auch der im Jahr 2000 verstorbene Pfarrer Karl Albert bestattet ist, für die verstorbenen Krotzenburger Seelsorger.

Je näher die Prozession der Kirche kam, desto dichter wurde das Meer aus weiß-gelben Fahnen an den Häusern. Das Gotteshaus konnte die große Zahl der Gläubigen nicht fassen, einige mussten das Hochamt vor der Kirche im Festzelt an den Lautsprechern verfolgen.  Drinnen feierte Thomas Winter, den Kardinal Karl Lehmann tags zuvor im Mainzer Dom zum Priester geweiht hatte, als Zelebrant seine erste Eucharistiefeier. „Wir sind stolz auf dich und freuen uns  schon lange auf diesen Tag“, hieß Pfarrer Becker den 32-Jährigen zu Beginn des Gottesdienstes in St. Nikolaus willkommen.  „Hier bin ich im Glauben und in der Länge aufgewachsen“, sagte der hoch aufgeschossene Winter. Die Prozession zur Kirche habe zahlreiche für ihn wichtige Orte wie das Elternhaus, den Kindergarten und die Schulen passiert. Zu seiner Heimatkirche empfinde er eine ganz besondere Verbindung, sagte Winter, intensiviert noch durch den Kirchenbrand 1988, bei dem das gesamte Inventar des Gotteshauses vernichtet wurde.  „Schlag dein Bett doch gleich vorne bei der Kirche auf“, habe seine Mutter ihm einmal gesagt, nachdem er zahlreiche Ämter und Aufgaben in der Jugendarbeit übernommen hatte. „Genau das tue ich jetzt als Priester“, sagte Thomas Winter, dessen erste Station als Kaplan die oberhessische Diaspora sein wird.

Zahlreiche Freunde und Freundinnen von Winter aus Jugendtagen waren an der Gestaltung des Primiz-Gottesdienstes beteiligt, darunter auch die Musikgruppe Voice unter Leitung von Beatrix Stratil, zu deren Gründungsmitgliedern Winter zählt.  Auch der Kinder-Sing-und-Spielkreis von Heike Steidl-Schwab und der Kirchenchor mit Dirigent Andres Schwab gaben der Feier eine besonders festliche Note. An der Orgel glänzte gewohnt virtuos Birgit Krebser.

In den Mittelpunkt seiner Primiz-Predigt stellte Pfarrer Michael Bartmann aus Budenhein  – dort hat Winter bis April als Diakon gewirkt – die Figur des  ungläubigen Thomas.  „Der Zweifel ist der Bruder des Glaubens“, sagte Bartmann. Es seien letzlich die Glaubensbrüder gewesen, die den zunächst zweifelnden Jünger gehalten und getragen hätten. „Priestersein heißt, mit seinem Glauben und seinen Zweifeln mit der Gemeinde auf dem Weg sein.“

Primiz-Prediger Bartmann liefert auch das Bonmot des Tages, als er von einem Gespräch tags zuvor bei der Priesterweihe berichtete. Eine  Frau habe ihrer Bekannten im Dom gezeigt, wer von den fünf Weihekandidaten  Thomas Winter sei.  „So ein schöner junger Mann“, habe die daraufhin leicht seufzend festgestellt. Bartmann dazu unter dem Beifall der Gottesdienstbesucher: „Der liebe Gott hat eben Geschmack.“

Nach dem Primiz-Gottesdienst feierte die Gemeinde bei freien Getränken und Essen rund um die Kirche. Die Schlange der Gratulanten, die Thomas Winter bei strahlendem Sonnenschein beglückwünschten,  wollte kein Ende nehmen.  Dekan Dieter Bockholt sprach für  die Nachbargemeinde St. Wendelinus und überbrachte Segenswünsche und Geschenke für das gesamte Dekanat Seligenstadt.  Für die evangelische Gemeinde überreichten Wolfgang Barth und Daniela Schwab eine große, mit dem Symbol der Ökumene gestaltete Kerze und wünschten dem 32-Jährigen „offene Augen und Ohren für das weite Feld der Ökumene“.

Die Mädchen-Ministrantengruppe „Lydia“,   die Thomas Winter als Jugendlicher leitete, schenkte einen Wunschbaum, und animierte die Gemeindemitglieder, kleine Zettel mit guten Wünschen  daran zu hängen.  

Manuela  Kremer-Schwab, Steffen Berger und Peter Jacoby vom Pfarrgemeinderat übergaben Winter  gemeinsam mit dem Obmann des Verwaltungsrates, Heinz Brauneis, und Pfarrer Becker ein Buch, in dem alle Gruppierungen und Verbände der Heimatgemeinde eine Seite gestaltet haben.  „Damit du dich immer an deine Wurzeln erinnerst, auch wenn du in vielen Jahren vielleicht einmal Bischof oder Kardinal wirst“, sagte Manuela  Kremer-Schwab.

Ihre musikalische Reverenz erwiesen dem Neupriester die beiden Krotzenburger Chöre Frohsinn und Volkschor.  Die Glückwünsche „der ganzen Gemeinde Klein-Krotzenburg“ überbrachte Bürgermeister Bernhard Bessel. „Wir wünschen Dir, dass du in deiner Arbeit ein Leuchtturm im Glauben ist“, sagte Bessel. „Mut, Zuversicht und Tatkraft bei der Verkündigung des Wortes Gottes“ wünschte der Vorsitzende der örtlichen Vereine und Verbände, Peter Dinkel. Segenswünsche überbrachten auch Vertreter der katholischen und  der bürgerlichen Gemeinde Budenheim.

„Was kann einem Besseres passieren, als aus Krotzenburg zu stammen“, bedankte sich Winter unter stürmischem Applaus  für alle guten Wünsche und bei jenen, die zur Gestaltung des Festes beigetragen haben. Auch  Verwaltungsrats-Obmann Brauneis lobte das große Engagement der vielen Helferinnen und Helfer, „die ihr Letztes gegeben haben, um die Primiz zu einem großen Fest zu machen“.

Die Feier  klang mit einem  Vesper-Gottesdienst aus, an dessen Ende die Gläubigen Schlange standen, um einzeln von Thomas Winter den Primizsegen zu erhalten.  In den nächsten Tagen wird Kaplan Winter diesen Segen auch in die Kindergärten der Pfarrgemeinde und zu den Kranken bringen.