Hainburg / Klein-Krotzenburg. Mit einer Ausstellung und einer Talkrunde erinnert die Klein-Krotzenburger Pfarrgemeinde St. Nikolaus vom 24. bis 30. Juni an die große Sozialpredigt zur Lage der Arbeiter, die Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler vor 140 Jahren an der Wallfahrtsstätte Liebfrauenheide bei Klein-Krotzenburg gehalten hat.
In seiner Ansprache erhob der Mainzer Bischof am 25. Juli 1869 vor rund 10.000 Arbeiterinnen und Arbeitern Forderungen, die später die Grundlage für die Sozialgesetzgebung bildeten. Ketteler machte sich unter anderem für eine Erhöhung des Arbeitslohnes „nach dem wahren Wert der Arbeit“, eine kürzere Arbeitszeit und Ruhetage stark. Er forderte an der Wallfahrtskapelle ein Verbot von Kinderarbeit und von Fabrikarbeit für Mädchen.
Unter dem Motto „Arbeit hat Würde und ihren Wert“ werden Experten in einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 24. Juni, die Aktualität von Kettelers Forderungen angesichts von Globalisierung und Wirtschaftskrise 1869 ausloten. Die Runde mit Ketteler-Kennerin Schwester Liberata Ricker, Kolping-Diözesanpräses Harald Röper, Peter Wichtel, Vorsitzender des Fraport-Betriebsrates , Peter Seikel von der Caritas-Lebensberatung, Helmut Geyer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Offenbach, und Tobias Schwab, Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau, beginnt um 19 Uhr im Pfarrsaal von St. Nikolaus, Kirchstraße 25. Die Moderation hat Dr. Josef Hahn (Mühlheim).
Die Talkrunde ist der Auftakt zu einer Ausstellung über Kettelers Wirken als Sozialbischof, bei der auch Exponate aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu sehen sind. In einer Kino-Ecke läuft während der Schau die TV-Dokumentation „Der Arbeiterbischof .“ Eine Abteilung der Ausstellung ist der Zigarrenmacherindustrie gewidmet, die damals vielen Menschen im Ostkreis Offenbach Arbeit verschaffte. Darüber hinaus sind die Schautafeln „Gute Arbeit – unser Anliegen“ der Betriebsseelsorge des Bistums Mainz zu sehen.
Platzkarten zur Ausstellungsvernissage und Talkrunde können für drei Euro telefonisch unter 06182 / 64816 oder per E-Mail unter pfarramt@st-nikolaus-hainburg.de reserviert werden.
Für Freitag, 26. Juni, lädt die Gemeinde zu einer „Babbelrunde der Siggamacher“ in den Pfarrsaal ein, bei der Frauen von 15 Uhr an die Zigarrenherstellung demonstrieren und Zeitzeugen von der Fabrikarbeit in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts berichten. Der Eintritt dazu wie auch zur Ausstellung ist frei. Die Schau ist bis Dienstag, 30. Juni, zu sehen und hat werktags von 17 bis 20 sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
(Tobias Schwab)